Veronika Bellmann, Die Woche der Ehepaare 2017

Was ist Ehe heute – Drahtseilakt, Provokation, Auslaufmodell oder doch eher ein Vertrag mit Gott, eine Berufung, Weg und Chance zum Glück?
Es ist im Menschen angelegt, einen anderen Menschen zu lieben und von ihm geliebt zu werden, nicht allein, sondern mit einem Partner durchs Leben zu gehen. Wie groß das Glück der Ehe ist, wird Manchem erst klar, wenn man keinen passenden Partner findet, Verlust droht oder er durch Trennung oder Tod schon eingetreten ist. Oft stellt man erst im Nachhinein fest, wie glücklich die gemeinsame Zeit war.
Ehe und Familie ist für den Weg zum menschlichen Glück nach wie vor der herausragendste Ort. Sie ist aber auch eine Herausforderung, sowohl was die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit betrifft, als auch bezüglich der Gesellschaft. Die stützt die Ehe nicht mehr als besonderes, sondern nur noch als eines unter vielen Partnerschaftsmodellen. Schon deshalb scheint die Ehe im gesellschaftspolitischen Sinne eine Provokation und ein Drahtseilakt zu sein.
Aber ein Auslaufmodell ist sie dennoch nicht – denn die meisten Menschen wagen sie. Sie sind überzeugt, dass es für sie eine große Chance für eine auf Dauer angelegte verlässliche vertrauensvolle Partnerschaft ist. Die unterschiedliche Dimension der „Verpflichtung" verändert eine Beziehung immer positiv. Und es ist etwas Besonderes, sich öffentlich zu seiner Liebe zu bekennen. Die Ehe ist aber auch eine Chance für Staat und Gesellschaft. Die kleinen Gemeinschaften von Ehe und Familie sind ihre Wurzeln und Stützen.
Unter dem Begriff Ehe sammeln sich inzwischen sehr unterschiedliche Bedeutungen. Was wir Christen als Sakrament der Ehe bezeichnen, ist sicher etwas anderes als nur ein Wirtschaftsvertrag zur Absicherung von Partner und Kindern. Selbst wenn es über die Unauflöslichkeit der Ehe keinen Konsens mehr gibt, so bleibt es doch der Wunsch der meisten Ehepaare, die Ehe dauerhaft zu führen und nicht nur lebensabschnittsweise.

Wir vertrauen darauf, dass Gott jede Ehe und Familie seinen Segen gibt, wenn sich zwei Menschen auf die Beziehung zueinander und Gott einlassen. Sie erhalten nicht nur im Ehesakrament, diesen Segen Gottes, sondern sind als Ehepaar Gottes Segen in der Welt. Die Ehe ist insofern eine geistliche Berufung, die die spirituelle Basis jedes christlichen Lebens ist. Wer diese Berufung spürt und sie lebt, ist gesegnet.

Die kulturellen Entwicklungen unserer Zeit mit einem stellenweise ausufernden Individualismus, ein oftmals stressiger Lebensrhythmus, die Arbeitsorganisation, die ständige Forderung nach Mobilität, die Veränderungen der Gesellschaftsstruktur gefährden die Möglichkeiten der Mensch eine dauerhafte Entscheidung füreinander zu treffen. Es hat sich eine „Kultur des Provisorischen" entwickelt in der Menschen keine wirkliche Bindungen mehr zueinander eingehen und Liebe wie in den sozialen Netzen nach Belieben der Konsumenten ein und ausgeschaltet, verborgen oder sogar blockiert werden kann. "Als Christen dürfen wir nicht darauf verzichten, uns zugunsten der Ehe zu äußern, nur um dem heutigen Empfinden nicht zu widersprechen, um in Mode zu sein oder aus Minderwertigkeitsgefühlen angesichts des moralischen und menschlichen Niedergangs", sagt Papst Franziskus. Aber nicht nur das Zeichen setzen nach außen zu Gunsten der Ehe ist wichtig. Im Alltag, im Ehealltag ist es gut, sich der Liebe des mitgehenden Gottes zu vergewissern und auch einander wieder und wieder Zeiten der Gemeinsamkeit und der Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt immer gute Gründe und Zeiten, wie Ehejubiläen, der Valentinstag oder eben die Woche der Ehepaare, sich des eigenen Eheglücks bewusst zu werden, es zu feiern und Gott um seinen Segen für das weitere gemeinsame Leben zu bitten. Es ist so schön und wertvoll, wenn Ehepaare sich einander auch noch Jahre nach dem ersten Verliebtsein ihre Liebe zueinander gestehen, weil sie gewachsen, in den Jahren gereift und nicht am Einerlei des Alltags oder an unerwarteten Schicksalsschlägen gescheitert ist. Feiern wir die Ehe und die Liebe in der MarriageWeek mit den Worten von Reinhard Mey:
„Wie vor Jahr und Tag liebe ich dich doch, weiser nur und bewusster noch. Vielleicht was sich verändert haben mag: Ich lieb dich doch noch mehr als vor Jahr und Tag."

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine wunderschöne MarriageWeek und darüber hinaus eine liebevolle und gesegnete Zeit für Ihre Ehe und Familie.

Bellmann

Veronika Bellmann
Mitglied des Deutschen Bundestages