Meinungen

Grußwort Marriage-Week Die Woche der Ehepaare 2018 Veronika Bellmann MdB

Wenn wir uns heute Gedanken über die Ehe machen, dann sollte man auch einen Blick auf den Beginn und Ursprung für die Entscheidung zu einem Leben in Partnerschaft wagen. Wir müssen über die Liebe sprechen. Der deutsche Dichter und Journalist Matthias Claudius (1740  – 1815) hat in seiner volksliedartigen Lyrik die Liebe und ihre ursprüngliche Strahlkraft bildhaft eingefangen, wenn er schreibt:

 Die Liebe

 Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel,

Und dringt durch alles sich;

Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel,

Und schlägt sie ewiglich.

 

Hier spürt man etwas von jener besonderen Kraft, die alles erreichen kann, die sich nicht aufhalten lässt und die schon immer war und immer sein wird, solange es Menschen auf der Welt gibt. Schon der Akt der Schöpfung war getragen von der Liebe Gottes zu den Menschen. Nicht umsonst hat der deutsche Papst Benedikt XVI. deshalb auch sein erstes päpstliches Lehrschreiben mit dem Titel „Gott ist die Liebe“ (Deus Caritas est) versehen und dort darauf hingewiesen, dass das Wort Liebe heute sehr häufig gebraucht und auch oft missbraucht wird, denn wir sprechen heute von Liebe zum Beruf, von Vaterlandsliebe, von Liebe zum Verein etc. Der Papst erinnert uns aber daran: „In dieser ganzen Bedeutungsvielfalt erscheint aber doch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der Leib und Seele untrennbar zusammenspielen und dem Menschen eine Verheißung des Glücks aufgeht, die unwiderstehlich scheint, als der Urtypus von Liebe schlechthin, neben dem auf den ersten Blick alle anderen Arten von Liebe verblassen.“

 Ja, gegenüber der Liebe zwischen Mann und Frau verblasst auch heute noch alles und deshalb ist der Wunsch immer noch so tief verwurzelt, den Partner für das Leben zu finden, mit dem man dann das Urgeheimnis der Schöpfung, die Weitergabe des Lichts in eine neue Generation ansteuern will. Schon hier wird deutlich, dass Ehe und Familie eben nicht beliebige Orte und Worte sind, mit deren Bedeutung und Wert man spielerisch umgehen kann. Insofern wird es sicherlich auch niemanden wundern, dass ein Ja zur Frage „Ehe für alle“ für mich nicht in Frage kam. Liebe kann es überall geben, aber erst durch die Verbindung von Mann und Frau in der Eheschließung mit dem Wunsch auf Weitergabe der Liebe Gottes in Gestalt neuen Lebens in die Zukunft, sehe ich Ehe und Familie verwirklicht. 

 Wenn wir heute uns das gewaltige Angebot von Partneragenturen, Liebes-, Flirt- und Partnerschaftsportalen ansehen, ahnt man, wie es um die Sehnsucht nach Liebe und erfüllter Partnerschaft bestellt sein muss. Und dieser Wunsch ist so tief verhaftet, obwohl fast jeder von uns schon persönlich oder im Freundes- und Bekanntenkreis traurige Erfahrungen von enttäuschter Liebe erleben konnte. Häufig ist heute der absolute Anspruch an die Liebe und die Realität im späteren Eheleben der Grund für Trennungen. Ein Blick in das Hohe Lied der Liebe (1. Korinther 13) könnte dabei für Christen und Liebende ohne Bekenntnis ein guter Berater sein. Dort heißt es: „ Als ich ein Kind war, / redete ich wie ein Kind, / dachte wie ein Kind / und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, / legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.“ Die Liebe ist ein fordernder Prozess, sie beginnt in jugendlichem, ja kindlichem Übermut und sie hofft und glaubt alles. Wenn sie dann an Grenzen stößt und man durch eine langfristige Bindung nicht auseinander rennt, erst dann entwickelt die Liebe ihre volle Energie und tiefere Bedeutung. Wichtig ist es dabei sich auch selbst zu spiegeln. Häufig scheitern Ehen an der Frage, was das Gegenüber falsch macht, ohne dabei sich selber richtig zu hinterfragen. Die Offenbarung der ganzen Schönheit der Liebe liegt am Ende und nicht am aufwühlenden Anfang. 

 Sehen wir hinaus auf unsere reiche und entwickelte Welt, dann sieht man in Ehe und Familie nicht nur die Keimzelle der Gesellschaft, sondern einen Hort der Liebe. Wenn wir uns Glaube, Hoffnung und Liebe bewahren, wird das Sakrament der Ehe nicht untergehen. Mein Aufruf auch nach über 37 Jahren Ehe lautet: Traut Euch – es lohnt sich!

Für die Marriage-Week 2018 wünsche ich Ihnen und Ihrer Organisation gutes Gelingen und Gottes reichen Segen. In der Hoffnung, dass ich Sie und Ihre Organisation bei der Gestaltung der Marriage-Week 2018 tatkräftig unterstützen konnte, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Veronika Bellmann MdB